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Fastenurlaub

Interview mit dem Leiter des Fastenzentrums im Gräflicher Park Health & Balance Resort

Nicht nur der Leiter unseres Fastenzentrums, F. X. Mayr-Arzt, Dipl. med. Dipl. med. vet. Hugo Arturo López Orench, ist überzeugt davon, dass ein direkter Zusammenhang zwischen Fasten und der Anregung der Selbstheilungskräfte des Körpers besteht. Erfahren Sie im Interview, was das Fasten so gesund macht und was hinter dem nobelpreisträchtigen Begriff "Autophagie" steckt.

Inhalt

Warum ist Fasten so gesund? Was passiert dabei genau im Körper - Stichwort: Autophagie?

Wie wirkt sich Fasten auf bestimmte Krankheitsbilder bzw. auf unsere Stimmung aus?

Wie oft sollte man eine Fastenkur machen? Und wie lange?

Durch Fasten nimmt man auch ab. Muss man nach einer Kur den Jo-Jo-Effekt fürchten?

Wie wichtig ist das Thema Bewegung beim Fasten?

Was sind die größten Fehler, die beim Fasten gemacht werden?

Darf jeder fasten?

Warum bieten Sie eine vegane Variante der Mayr-Kur an?

"Das Fasten ist eine Erfahrung, die uns ganzheitlich erfasst. Wir verlassen das konsumgesteuerte Fundament der ständigen Befriedigung unserer üblichen Grundbedürfnisse und öffnen uns für körperliche, aber auch mentale Veränderungen. Körperlich laufen tiefgreifende, positive und gesundheitsfördernde Reaktionen im Stoffwechsel, im hormonellen, nervlichen und immunologischen Bereich ab, die eine Summe an positiven Veränderungen bewerkstelligen. Man spricht von der Autophagie. Eine gestörte Autophagie wird mit chronischen degenerativen, bösartigen und chronisch entzündlichen Stoffwechselerkrankungen und einem schnelleren Alterungsprozess in Zusammenhang gebracht. Das Fasten wiederum regt die Autophagie an. Um diesen Beschwerden vorzubeugen, ist es wichtig, die Autophagie als eine Art „house-keeping“ zu pflegen.

Übrigens erhielt der Japaner Yoshinori Ohsumi 2016 den Medizinnobelpreis für die Entdeckung der Prozesse der Autophagie, die für das Recycling von Zellbestandteilen verantwortlich ist. Störungen werden mit einer wachsenden Zahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht, von Diabetes über Krebs bis hin zu Parkinson. Geistig erleben wir ein Gefühl der Klarheit, der Leichtigkeit und gewinnen mentale Stärke. Speziell bei unserer F.X. Mayr-Kur, deren neue Variante eine rein pflanzliche Kost mit individuell auf die Beschwerden des Fastenden zugeschnittenen therapeutischen Anwendungen verbindet, sind diese Effekte sehr deutlich und nachhaltig zu spüren."

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"Fasten im allgemeinen, speziell aber nach F.X. Mayr, dient der Entlastung und der Regeneration des  gesamten Organismus und all seinen Zellen. Durch die positiven Auswirkungen auf das innere Nervensystem, das Immunsystem und die hormonelle Steuerung, werden besonders funktionelle Störungen, aber auch Alterungsprozesse günstig beeinflusst. Zu den Störungen gehören besonders die beruflich oder situationsbedingten Überforderungspotentiale, die die rasant steigenden Anforderungen unserer schnelllebigen Zeit mit sich bringen. Die Nahrungsrestriktion führt Körper und Geist auf das Wesentliche zurück, Stress und seine Folgen werden reduziert. Zudem ist das Fasten eine natürliche Möglichkeit, vielen unserer gängigen Zivilisationskrankheiten vorzubeugen, welche unbeachtet langfristig fatale Folgen nach sich ziehen, wie zum Beispiel übergewichtbedingter Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, die Zuckerkrankheit und Störungen des Harnsäurestoffwechsels.  Aber auch rheumatische Erkrankungen und Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates zählen zu den Indikationen des Fastens, speziell nach F.X. Mayr, um die wichtigsten zu nennen.

Sehr spannend ist auch, dass ein erhöhter Blutdruck während einer Kur durch die Anregung der Umstellungsmechanismen in unserem  Organismus gesenkt werden kann, während der normale Blutdruck unbeeinflusst bleibt. Häufig erzielen wir im Rahmen unserer Kur sogar eine Reduzierung oder sogar Absetzung von Blutdruckmedikamenten. Langfristig ist der Erfolg der Behandlung von Bluthochdruck allerdings stark vom Gewicht abhängig. Da während einer Fastenkur in der Regel kaum Cholesterin aufgenommen wird (unsere pflanzliche Variante ist sogar komplett cholesterinfrei), sinkt der Wert auf ein Niveau ab, der dem Wert entspricht, der durch eine fast cholesterinfreie Ernährung im Einzelfall möglich wäre. Auch in der Behandlung von Diabetes wirkt sich eine Mayr-Fastenkur sehr positiv aus. Für Menschen mit Übergewicht, die bereits an ernährungsbedingtem Diabetes leiden, aber auch für die, die Symptome einer Prädiabetes aufweisen, ist Fasten bzw. eine Mayr-Fastenkur wie wir sie anbieten, eine ideale Therapie, da durch den mit der Kalorienreduzierung einhergehenden Gewichtsverlust weniger Zellen mit Insulin versorgt werden müssen und in der Folge weniger Medikamente benötigt werden.

Weiter erzielen wir eine deutliche Verbesserung des Stoffwechsels und können so die Spätfolgen der Krankheit hinauszögern und verringern. Im besten Fall kann durch die nachhaltige Lebensstilkorrektur, auf die die F.X. Mayr-Fastenkur abzielt, eine vollständige Heilung der Zuckerkrankheit erzielt werden. Jeder, der diese Erfahrung am eigenen Leib erlebt hat, wünscht sich dieses Gefühl des Wohlbefinden und der Leichtigkeit während und nach der Kur aufs neue.

Deshalb haben wir auch sehr viele „Wiederholungstäter“, die ein bis zweimal im Jahr bei uns fasten und neue Energie für den Alltag gewinnen."

"Viele Menschen schaffen es nicht allein, ihre Nahrungszufuhr längerfristig zu reduzieren. Daher ist es wenig verwunderlich, dass das sogenannte Intervallfasten oder  „intermittierende Fasten“ in kürzester Zeit zu einem riesigen Trend geworden ist. Darunter versteht man, in einem Zeitfenster von etwa 14 – 16 Stunden zu fasten und in den verbleibenden acht bis zehn Stunden Nahrung zu sich zu nehmen. Sie kennen doch sicher das Sprichwort, dass man wie ein Kaiser frühstücken, wie ein Prinz zu Mittag und wie ein Bettler zu Abend essen sollte.

Betrachtet man den physiologischen Hintergrund, nämlich die Ausschüttung von Wachstumshormonen, so ist an dieser alten Weisheit sehr viel Wahres dran. In der Nacht arbeiten unzählige Prozesse im Körper, um uns zu regenerieren, mit einer erstaunlichen  Wirkung auf Gewichtsabnahme und Entzündungsreduktionen. Nehmen wir spät abends zu viel Nahrung auf, so sind diese Prozesse gestört, da die Verdauung eine Höchstleistung für den Körper darstellt. Deshalb würde ich sogar so weit gehen und anzuraten, das intermittierende Fasten dauerhaft in den Alltag zu integrieren, frei nach „it is not a diet, it is a lifestyle“.

Und genau hier greift unser Konzept nach F.X. Mayr, denn es ist nicht nur eine Fastenkur, die man nach ein, zwei, drei Wochen abgeschlossen hat. Im Rahmen des Fastenprozesses erlernen die Menschen bei uns,  eine Verbindung zwischen gesunder Ernährung und einer allgemein gesunden und achtsamen Lebensführung zu verstehen. Es kommt nicht nur darauf an, was ich esse, sondern auch wie und wann. Wir schulen hier die körpereigene Intuition auf ganzheitlicher Ebene und vermitteln moderne Ernährungsmedizin in Theorie und Praxis, deren Erkenntnisse man im Anschluss mit nach Hause nehmen kann."

Generell stehen beim Fasten die Regeneration des Organismus und die damit verbundenen  gesundheitlichen Effekte im Vordergrund. Die Gewichtsabnahme ist aber natürlich eine willkommene Begleiterscheinung. Wenn man nach einer Kur, egal welcher, direkt wieder in die alten Muster verfällt, die einen in die „ungünstige Ausgangslage“ gebracht haben, muss man logischerweise natürlich mit dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt rechnen, wie bei jeder „Diät“ auch.

Wie bereits gesagt, wir zielen auf eine dauerhafte Umstellung der Ernährungsgewohnheiten ab. Wenn man ein paar der neuen Erkenntnisse aus der Kur bzw. das intermittierende Fasten oder auch einfach das Weglassen des Abendessens im Anschluss konsequent umsetzt, unterstützt man die körpereigenen Prozesse, die einen langfristig zu einem normalen, gesunden Gewicht verhelfen. Zudem fördert dies auch das Anti-Aging und man braucht den Jo-Jo-Effekt nicht zu fürchten."

"Beim Fasten gilt generell Bewegung ja, aber moderat. Schwimmen, Spaziergänge oder aber auch Fastenwanderungen, Yoga, Qi Gong, gut ist, was gut tut.  Interessant ist auch die Tatsache, dass durch einen höheren Energieverbrauch, wie z.B. beim Sport, erstens die sogenannte Autophagie gefördert werden kann. Bewegung in diesem Kontext findet optimaler Weise im nüchternen Zustand, also am besten morgens vor dem Frühstück, statt. Schon Hippokrates wusste : „Wer stark, gesund und jung bleiben und seine Lebenszeit verlängern will, der sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung, halte den Kopf kalt, die Füße warm und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.“

Mindestens genauso interessant ist, dass das Fasten und eine moderate Bewegung die Ausschüttung und die Wirkung von Wachstumshormonen in den Tiefschlafphasen erhöhen.  Bei Kindern wurde ein verbessertes Längen- und Knochenwachstum und bei Erwachsenen eine bessere Fähigkeit der Lipolyse, also des Fettabbaus festgestellt. Zudem werden die Aufnahme von Aminosäuren in der Zelle verbessert und die Proteinsynthese für ein Wachstum von Weichteilgewebe und Muskulatur erhöht. Deshalb werden Wachstumshormone auch häufig als Dopingmittel verwendet."

"Stress sollte definitiv im Rahmen einer Fastenkur drastisch reduziert werden. Ebenso ist von einem sehr intensiven Training, wie zum Beispiel HIIT oder ähnlichem abzuraten. Und zu wenig trinken ist definitiv auch nicht förderlich, da Flüssigkeit den Körper im Rahmen von Fastenkuren bei seinen Ausleitungsfunktionen unterstützt."

"Ja, aber unter gewissen Voraussetzungen und immer in Anbetracht der individuellen Beschwerden oder Bedürfnisse des Menschen. Durch Fastenkuren, wie die Mayr-Kur, wird eine tiefgreifende Entspannung des inneren Nervensystems erreicht. Verbunden mit der gleichzeitig ablaufenden Blut- und Säftereinigung des Körpers stellt sie eine intensive Form der körperlichen Regeneration dar. Deshalb profitieren sowohl Übergewichtige, aber auch Normal- oder Untergewichtige von einer Mayr-Fastenkur. Die Intensität der Diät wird bei uns im Gespräch zwischen Arzt und Patient individuell festgelegt und je nach Bedarf auch während der Kur modifiziert, sodass man eine maßgeschneiderte Kur erhält."

Betrachten wir mal Personen, die an starkem Untergewicht leiden.  Gerade hier wird der Kerngedanke der F.X. Mayr-Kur sehr schön verdeutlicht. In dieser Situation wird der Patient angehalten, die Mahlzeiten extrem gut und vor allem bewusst zu kauen, um den schwachen Verdauungsapparat unter keinen Umständen zu überfordern. Das Gewicht steigt langsam an, die Kräfte nehmen zu, der Patient gewinnt an Energie – nicht nur muskulär, sondern auch mental.

Der falsche diätetische Ansatz aus Mayr-Sicht wäre in dieser Situation ein dogmatisch fixierter Menüplan, bei dem eine hohe Kalorienanzahl dem Patienten Energie zuführen und ihn so aufbauen soll; am besten noch nach dem Motto „Mensch, iss endlich mal was Vernünftiges!“ Dieses Vorgehen verschlechtert die Situation des Untergewichtigen, weil die diätetische Überforderung an den Kräften des Patient zehrt und der Organismus durch die chemischen Prozesse der Gärung und Fäulnis belastet wird. Abschließend ist zu sagen, dass ein gesunder, am besten bereits fastenerfahrener Mensch, der ein gutes Körpergefühl hat und sich mit den Bedürfnissen seines Körpers gut auskennt, durchaus allein fasten kann. Allen anderen rate ich dringend zu einer professionell begleitenden, individuell zugeschnittenen Kur."

"Auch die Ernährungsmedizin geht mit der Zeit und gewinnt neue Erkenntnisse. In den letzten Jahren wurde vieles, was als gesund angesehen wurde, mittlerweile durch neue Erkenntnisse in zahlreichen Studien widerlegt. So weiß man zum Beispiel, dass der hohe Konsum tierischer Produkte und Weißmehlprodukten Hand in Hand mit der Zunahme von Zivilisationskrankheiten geht, weil sie unter anderem stark säurebildend sind und Entzündungsprozesse im Körper fördern. Kuhmilch und Weizensemmeln sind in meinen Augen daher nur noch bedingt zeitgemäß und nicht für jeden geeignet, das ist wie gesagt, immer individuell zu betrachten.

Eine pflanzliche Ernährung, kombiniert mit den therapeutischen Anwendungen der Mayr-Kur und die langfristig greifenden Maßnahmen, sind meiner Meinung nach das beste und wirksamste Konzept hin zu einem ganzheitlich gesünderen Lebensstil, das ich als Mediziner in den letzten 25 Jahren erlebt habe. Von der ethischen Komponente und der Ursache der aktuellen Pandemie mal ganz abgesehen.

Besonders erfreulich finde ich, zu sehen, dass speziell jüngere Menschen heutzutage schon früh ein gutes Bewusstsein für gesunde Lebensmittel entwickeln und viele sich freiwillig pflanzlich ernähren. Das Bild vom blassen, dürren, unterernährten Veganer ist längst überholt. Heute verbindet man Vitalität und einen „Healthy Lifestyle“ damit. Man weiß heutzutage um die gesundheitlichen Vorteile einer veganen Ernährung, wenn sie ausgewogen umgesetzt wird. Mittlerweile ernähren sich auch immer mehr Spitzensportler pflanzlich und die meisten von ihnen geben an, ihre Leistung dadurch deutlich verbessert zu haben."