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Graf Oeynhausen

Was politisch opportun ist, muss für die Umwelt nicht automatisch gesund sein. Auch dann nicht, wenn „die Grünen“ mit von der Partie sind. Bis 2027 soll in NRW ein zweiter Nationalpark (nach der Eifel) ausgewiesen werden, so die Pläne der schwarz-grünen Landesregierung. Im Sommer soll dazu ein Wettbewerb starten.

Als Unternehmer in der Region mit einem 240-jährigen Familienunternehmen, Landbesitzer mit Forstwirtschaft und einer der größten Arbeitgeber im Kreis Höxter stellt Graf Oeynhausen im Folgenden seine Position zu einem Nationalpark OWL dar:

Wie überzeugt eine Region von dem Nationalpark ist, soll eine Schlüsselrolle bei der Auswahl des Standortes sein. Wie überzeugt sind Sie?

„Wenn das so wie bereits vor ein paar Jahren mit einem Nationalpark Senne diskutiert und wie üblich konzipiert wird, dann gar nicht. Dann ist das Nationalparkkonzept nichts anderes als eine rein staatliche Postenvergabe verbunden mit Verboten, die in der Hauptsache die Bevölkerung treffen. Verbote in der Nutzung, Verbote in der Betretung, in allem was die Umgebung betrifft. Das bedeutet Einschränkungen in der Holzwirtschaft, in der Jagd usw. Am Ende haben wir nichts anderes als ein bürokratisches Monstrum und sprechen über die Rückkehr des Wolfs. Wenn der Borkenkäfer da ist, kann man nicht erst Anträge auf europäischer Ebene stellen. Wenn es brennt, muss schnell gelöscht werden. Das geben herkömmliche Konzepte nicht her.

Auch der der „Arbeitstitel“ Egge Nationalpark überzeugt mich nicht. Nationalpark klingt gut, aber Egge kann niemand zuordnen. Der Teutoburger Wald deckt nur den nördlichen Teil ab. Nationalpark Westfalen wäre aus meiner Sicht ein Name, den auch jemand aus dem Ausland versteht.“

Was ist Ihr Hauptkritikpunkt an den Plänen?

„Nach den jetzigen Plänen soll die Natur sich selbst überlassen werden und Holz im Nationalpark einfach verrotten. Das ist gegen jede vernünftige CO₂-Klimapolitik. Daran störe ich mich am meisten. Denn das würde bedeuten, dass der Klimakiller CO₂ durch das vermodernde Totholz freigesetzt wird. Würde das Holz hingegen verarbeitet werden, wie das z.B. bei Türen etc. der Fall ist, würde das CO₂ im Holz gebunden.

Außerdem störe ich mich daran, dass derartige Projekte von der Privatwirtschaft gezahlt werden, aber zu allen Veranstaltungen auf dem Podium immer nur Steuergeldempfänger sitzen. Das ist sehr einseitig. Politik und Privatwirtschaft müssen hier zusammenarbeiten ganz nach der Volksweisheit: Wer zahlt, bestimmt die Musik.

Nicht zuletzt muss ein derartiges Projekt zu einer Wertsteigerung in ökonomischer und ökologischer Sicht führen. Es kann nicht angehen, dass Flächen für einen Nationalpark einfach nur enteignet werden. Das muss kompensiert werden. Es muss für die Region insgesamt auch ein spürbarer Zuwachs an Wohlstand hinzukommen, insbesondere durch die Umsetzung infrastruktureller Maßnahmen vor Ort. Das geht nur mit einem „Doppel-Wumms“ Budget.“

Was ist Ihr Vorschlag für ein zukunftsweisendes Nationalparkkonzept?

„Wenn hier in der Region ein Nationalpark umgesetzt werden soll, dann müssen wir das anders machen als bisher: Alle Fläche werden dafür als Sondervermögen in eine Stiftung eingebracht, die privatwirtschaftlich organisiert ist. Diese Stiftung zahlt eine Pacht an die Eigentümer – ungeachtet ob staatlich oder privatwirtschaftlich – und errichtet einen Nationalpark, der eine CO₂ freundliche Klimaveränderung im Fokus und damit eine entsprechend angepasste „Boden- und Vegetationspolitik“ hat. Ergänzend dazu könnte ein Edutainment z. B. mit einem „Zukunftslabor Naturwald Westfalen“ Anwendung finden. Wir hätten damit die einmalige Chance, ein zukunftsweisendes Modell umzusetzen, das zum Vorreiter und Vorbild für andere Projekte in Europa wird.

Und nicht zu vergessen: Wo es einen Einstieg gibt, sollte es auch einen Ausstieg geben. Wenn man nach einer Laufzeit von zwei Generationen mit diesem Modell keinen Erfolg hat, muss man auch Dinge auf den Prüfstand stellen und verändern können.“

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Antje Kiewitt
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