Machen Sie eine Reise in längst vergangene Zeiten, und tauchen Sie ein in die Geschichte des Bades und des Gräflichen Hauses ...
Chronik des Bades
Das zum Fürstbistum Paderborn gehörige Bad Driburg in Westfalen erlangte erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch Privatinitiative des Badbegründers, Caspar Heinrich von Sierstorpff, seine Bedeutung als Kurort.
1620 wurden die Driburger Quellen erstmals kartographisch festgehalten, doch ein gezieltes Interesse an den Mineralquellen setzte erst nach dem Dreißigjährigen Krieg ein. Um 1665 ließ der Paderborner Fürstbischof die Quellen fassen. Eine Ledertapete im nahe gelegenen Schloss Vinsebeck zeigt den Transport des in Flaschen abgefüllten Mineralwassers um das Jahr 1720, das bereits nach „London, Copenhagen, Stockholm, Danzig, Amsterdam, Hamburg, Hannover, Cassel und andere vornehme Stätte in großen Mengen verführet“ wurde.
Dieses Brunnenareal kaufte im Jahr 1781 der Freiherr Caspar Heinrich von Sierstorpff. Er ging unverzüglich an den Ausbau der Kuranlagen. In zähen Verhandlungen mit den Driburger Bauern und der Stadt erwarb Sierstorpff „jedes Stück Land und Wiese, was irgendwie nahe lag“. Er ließ das sumpfige Gelände entwässern und Wege anlegen. Zwischen 1783 und 1786 errichtete er das Logierhaus (jetzt Sierstorpff-Haus) und das Armenhaus (das jetzige Verwaltungsgebäude). 1793/94 begann der Bau eines zweiten Bad- und Logierhauses (jetzt Hölderlin-Haus), dem sich 1803 das Wohnhaus Sierstorpffs anschloss. in dem „Gräflichen Haus" wohnen bis heute seine Nachkommen. Die Verwendung ländlich geprägten Fachwerks erfolgte auch aus Gründen der Kostenersparnis, da das Unternehmen des noch unerfahrenen Bauherrn ungewissen Ausgangs war. Um wenigstens die Bade- und Logierhäuser architektonisch zeitgemäß zu gestalten, erhielten die Bauten Mansardendächer. Schon kurz darauf bereute Sierstorpff „die zu verfluchenden Mansarde-Dächer, die immer durchregnen“, zu denen er aber auch durch eine „unseelige Mode“ verleitet worden sei. Bereits bei seinem Wohnhaus kam wieder das Satteldach zur Geltung.
Mit dem Bau des eigenen Wohnhauses schloss Sierstorpff die erste Phase seines Projekts erfolgreich ab. Gleichzeitig bewirkten die Napoleonischen Kriege eine erste Zäsur in der Entwicklung des Bades.
Nach 1815 gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung. Driburg war inzwischen preußisch geworden, und Sierstorpff – dem es gelang, von Preußen finanzielle Unterstützung beim Ausbau der Kuranlagen zu erhalten – schrieb 1820 an Kanzler Graf Hardenberg, die Besucherzahl des Bades habe so zugenommen, dass viele Gäste abgewiesen werden müssten. Zu dieser Zeit baute er ein weiteres großes Logierhaus (das jetzige Vincke-Haus).
Waren bis dahin alle Bauten von unbedeutenden Baumeistern der Umgebung errichtet worden, so ließ der inzwischen in den Grafenstand erhobene Sierstorpff die Pläne zur neuen Wandelhalle, der Krönung der gesamten Anlage, vom renommierten Architekten Peter Krahe anfertigen.
Trotz fortlaufender Modernisierungen haben sich die Nachfahren des Badgründers stets bemüht, die historische Substanz zu erhalten, sodass das Bad als Ensemble heute noch unzerstört den feinsinnigen Charme des ausgehenden 18. Jahrhunderts ausstrahlt.
Das Bad blieb weitgehend ohne Einfluss auf die Stadt, obwohl Driburg vom Kurbetrieb wirtschaftlich abhängig war. Nur wenige Häuser des späten 19. Jahrhunderts zeigen durch schüchterne Verwendung von Balkonen, Veranden und Säulen ein verhaltenes Eingehen auf Driburg als Badeort.
Das Gräfliche Haus und seine Bewohner
Eine persönliche Geschichte von Ramona Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff
2. Kapitel
„… Wir kommen jetzt in die nächste Generation. Aus der Ehe von Hedwig Sierstorpff (1848-1907) und Aschwin Cramm (1846-1909) gingen vier Töchter hervor: Die Älteste, ebenfalls Hedwig genannt, heiratete den Grafen Wilhelm Oeynhausen (1860-1922). Da sie durch den Tod ihrer Mutter Besitzerin von Driburg geworden waren, nannten sie sich mit kaiserlicher Erlaubnis fortan Graf und Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff. Sie waren die Großeltern meines Mannes.
Die zweite Tochter, Wanda, heiratete einen Major von Krieger; Erika, die dritte, einen Herrn von der Marwitz; und die Jüngste, Armgard, den Grafen Bodo von Oeynhausen, der bei dem Regiment der 8. Husaren in Paderborn stand. Im selben Regiment war auch Prinz Bernhard zur Lippe, der Bruder des regierenden Fürsten in Detmold. Bei einem Ausritt in die Senne bei Paderborn ruhten sich Gräfin Armgard und Prinz Bernhard unter einem Baum aus. Die Pferde machten sich derweil frei und liefen zur Kaserne zurück. Ein Suchtrupp wurde nach den beiden ausgeschickt – der Skandal war perfekt. Armgard ließ sich von Bodo Oeynhausen scheiden und heiratete 1905 Bernhard Lippe. Sie erbte das väterliche Gut Woynowo und residierte dort mit ihrem Mann und ihren Söhnen.
Tante Armgard war fabelhaft, sie war eine sehr starke Frau, die den Mut hatte, gegen die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen – und die, wie das bei starken Persönlichkeiten oft der Fall ist, trotzdem von der Gesellschaft nicht geächtet wurde, sondern ihr Leben so lebte, wie es ihr beliebte. Ohne je ein Vermögen besessen zu haben, lebte sie im großen Stil. Sie war ihr Leben lang eine extravagante Frau. Als ich sie kennen lernte, war sie schon eine alte Dame, immer sehr soigniert, stets mit einer Zigarettenspitze in Form einer kleinen Pfeife im Mund. Sie hatte einen trockenen Humor und sehr ausgeprägte Sym- und Antipathien.
Tante Armgard gehörte zu den wenigen Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut, plus Vater im Sarg, vor den Russen retten konnten. Bei ihr in Woynowo wohnte ein Oberst Pantschulitchev, der ehemals im Pagenkorps des Zaren gedient hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Stationsvorsteher an den Bahnhof von Frankfurt an der Oder dienstverpflichtet. Dort requirierte er, als die Rote Armee nahte, einfach einige Waggons, ließ sie voll laden und schickte sie nach Driburg. Der Sarg wurde in der Gruft unter dem Mausoleum abgestellt und erst 1980 von uns richtig bestattet.“
Fortsetzung folgt ...
Das Wappen der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff
Eine Krone mit neun Zacken, ein Lorbeerzweig, eine Leiter und ein Rost beherrschen das gespaltene Herzschild des Wappens der Grafen von Oeynhausen-Sierstorpff.
Die Genehmigung zur Namens- und Wappenvereinigung derer von Sierstorpff und von Oeynhausen wurde am 23. Dezember 1901 erteilt.
Der rechte Teil des Wappens – rechts oben: Lorbeerzweig, rechts unten: Rost – gehört zum Wappen derer von Sierstorpff (Siegendorf bei Jülich), die früher Francken hießen und aus dem Ort Sierstorpff stammten.
Der Rost wurde von einem Sierstorpff entworfen und von diesem zum Andenken an Laurentius gewählt, der auf dem Rost den Märtyrertod erlitt.
Die Leiter im linken Teil gehört zum Wappen derer von Oeynhausen (oin = 1 Haus). Sie gilt als Symbol des Hauses; wo man keine Leiter brauchte, handelte es sich nicht um Häuser, sondern beispielsweise um Katen. Die Löwen an beiden Seiten des Wappens sind heraldischer Schmuck, vielleicht auch Halter des Wappens.